Abschied Werbung Nachdurst Farben kaufen Versunken Mein Tagebuch Zuwachs Kinderverlierer Literaten Rettet den G.V. Enttäuschung Fortschritt Frühling 5:30 Der Backtag Meier am Fenster Ungeduld Des Ritters Lohn Alles unter 5 Euro Zeit Die Volkspanzerweste

Abschied

Klar bin ich da regelmäßig drinne, Herr Oberpolißei. Zweimal die Woche. Man muß doch eine Regel­mäßigkeit im Leben haben. Nicht so chaotisch. Wird ihnen jeder Arzt bestätigen. Nur daß gestern plötzlich meine Freundin an meinem Hocker stand und Zoff machte. Dabei hatte ich da erst 4 und 4. Nee, halt - eine Saalrunde von Karle noch. Mußte ich mittrinken, obwohl ich ja lieber Korn...ja ok klar also weiter. Und bittschön sprechense nicht so laut.
 
Jedenfalls ist die dann bald wieder abge­hauen. Jetzt hat sich aber mal gezeigt, was Kumpels sind. Die nächsten Bestecke hab ich alle spendiert bekommen! Und das für'n paar Minuten Geschrei! Sehnse - Freunde in der Not oder so. Obwohl mir nicht so ganz klar war, warum sie mich jetzt bedauerten.
 
Junge nee, hatte ich zu tun. Irgendwann bin ich dann aber doch lässig von meinem Hocker geglitten, weil ich nach Hause wollte. Ging auch ganz gut, obwohl ich ein paar Dinger mehr als sonst drin hatte. Der Teppich kroch mir entgegen und zog eine Tür hinter sich her. Die hab ich dann mühsam aufgemacht. Eine merkwürdige Konstruktion - die Klinke auf der Straßenseite ist in normaler Höhe, das weiß ich noch ganz genau. Aber gestern von drinne - kaum zu erreichen. Habs aber geschafft. Man will sich ja nicht vor seinem Hund blamieren. Draußen sagte der Fußabtreter "Hallo Fußabtreter" zu mir. Da war ich aber doch froh, daß auch Andere so schusslig sind wie ich. Aber meine eigene Stimme hat er perfekt nachgemacht, alle Achtung.
 
Am Weitergehen wurde ich allerdings gleich gehindert. Da stand ein Paar Damenschuhe im Weg. Ich konnte sie leider nicht wegschieben, waren schwerer als ich dachte. Und konnten auch reden.
"Du versoffener Kerl, Du, laß meine Beine in Ruhe! Die wirst Du nicht mehr anfassen geschweige denn und ich dumme Trine komm extra zurück, um zurückzukommen. Vielleicht hätte ich mich sogar entschuldigt dafür, daß ich Dir eine Szene vor all den anderen Suff­köppen und weggelaufen bin. Aber recht hatte ich, jawohl recht recht recht!"
Ha! Sehnse, hier, nur einmal hat mich so'n Pfennigabsatz --- haben wir eigentlich noch Pfennige? Jedenfalls hab ich gerade noch meine Hände in Sicherheit meine Reflexionen sind nämlich prima in Ordnung. So konnte ich wenig­stens meine Ohren schützen:
"Das sage ich Dir, Du wirst mich nie mehr wieder­sehen. Und wenn Du mich irgendwo wiedersiehst, rate ich Dir, daß Du mich nicht siehst. Sonst...!!!"
Die Schuhe waren plötzlich weg. Aber das alles hat mich ganz schön angestrengt. Da bin ich dann eingeschlafen. Passiert mir zu hause auch. Auf'm Sofa. Nur daß das Sofa dort vor meiner Kneipe kleiner und dreckiger war. Aber hätten sie ein bisken gewartet, hätten sie mich da nicht wegholen brauchen. Ich wache jeden morgen automatisch um halbsieben auf. Jawoll, schon seit Jahren. Ich bin ein ordentlicher Mensch!

Enttäuschung

Wir waren ein gutes Team. Jahrelang, nein - jahrzehntelang. Früher hieß das allerdings noch nicht Team. Aber trotz des Fehlens einer modernen Bezeichnung klappte unsere Zusammenarbeit meist ganz gut. Schon im Kindesalter machten wir wichtige Dinge immer gemeinsam. Unsere Beziehung war ohnehin viel enger als die jeder denkbaren Gruppierung.
Klar, es kam immer wieder mal zu Unstimmig keiten. Manchmal verfluchte ich sie, wenn sie sich in Vorgänge einbrachte, die sie nichts angingen. Oder wenn sie etwas bemerkte, das sie besser nicht hätte registrieren sollen. Immerhin, sie war lernfähig. Im Gegenzug wäre es oft klüger von mir gewesen, auf ihren Erfahrungsschatz zurück­zugreifen. Zum Beispiel auf Hinweise wie "Ja doch, die Wiese ist schön. Geh trotzdem nicht hin." Oder "Markier nicht den Supermann. Du verträgst dieses Wetter nicht. Zieh dich entsprechend an."
Im Allgemeinen jedoch waren wir...aber das sagte ich ja schon. Und daß sie die Sensiblere von uns beiden war, hatte oft Vorteile. Sofern es um ihre speziellen Fähigkeiten ging. Für Anderes war sie ohnehin fast nicht zu gebrauchen. Daß sie mitunter Unterstützung bot in anderen Bereichen, war mir nur recht. Letztlich profitierte ich ja davon. Infor­mation und Durchblick ist immer gut.
Deshalb verstehe ich auch nicht, daß sie diesmal so sehr übertreibt. Nicht nur, daß sie keine ihrer Aufgaben wahrnimmt, nein - sie will anscheinend sogar weglaufen! Nie hätte ich das von meiner Nase erwartet!

Fortschritt

Dunkelstrahlen, gefangen in spinnwebver­hangenen glühlampen, die sich ihres namens schämen. Keine chance zur wandlung in licht.
 
Stählerne sinnlosigkeiten, große und riesige, monstern gleich, auch kleine, fast filigrane. Und waren doch einmal fast lebewesen.
 
Gefrorene bewegungen, nicht den namen ver­dienend, der an wege erinnert, an vorwärts­kommen. Festgehalten auf ewig in einer symphonie aus rost.
 
Kompakte kunstwerke aus eisen und kupfer, kraftlos herausgeflossen die kraft. Tote schönheiten, zu tränen rührend den kundigen.
 
Stücke aus material, unkenntlich fast schon durch bloße abwesenheit von händen. Sollten einmal werkstücke werden, zu ehren das werk.
 
Herumliegende gebilde, die den mensch zum menschen machen, so sagt man. Ihm zur schande gereichend durch nichtgebrauch.
 
Leben nur noch in staubigen ecken und faust­großen löchern. Geräusche nur noch durch abwesenheit von glas.

Schritte nur noch die meinen.

Frühling um halbsechs

Nun ja , wir haben es ja so gewollt. "Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte...". Das wär ja ok, ein blaues Band raschelt vielleicht ein bissel beim Flattern. Vögel eher nicht. Die behaupten dreist und vor allem laut, es wäre jetzt Frühling. Früh um halbsechs. Bei 12 Grad. Ja ok, und strammer Sonne. Deshalb sind es jetzt, Mittags, stolze 16 Grad. Na toll.
 
Und früh um halbsechs - ich habs ganz deutlich gehört - bestand die Hälfte des Geflötes auch aus Gelächter. Konnt ich mir erst nicht erklären. Aber da ist mir jetzt dieser alte Spruch wieder eingefallen: "Der frühe Vogel sieht den Wurm im Nachthemd" oder so ähnlich. Ja ja, ich weiß, da muß man doch Verständnis haben. Und man sollte sich halt die Decke über die Ohren ziehn. Auch so ein doofer Spruch. Funktioniert nur auf dem Papier. Dabei haben Wissen­schaftler festgestellt, daß jede Form von Schall­dämmung wirkungslos wird durch das bloße Wissen um die Lärmquelle. Wenn z.B. nachts in der Wohnung nebenan das junge Pärchen...
 
Achso, ja, Lärm. Zum Beispiel beim Zahnarzt. Ich weiß, daß der neue Bohrer meines Zahnarztes mit Ultra­schallatomen angetrieben wird. Gegen Schmerz­entfaltung. Sind aber halt ziemlich klein, die Atömchen. Kommt der Schmerz trotzdem manchmal durch. Vermutlich, weil ich weiß, daß er da sein müßte. So ist das eben. Auch früh um halbsechs zeigt sich - die ganze Wissenschaft nützt nix. Besser wäre, die Würmer blieben in ihren Löchern. Bewirkt den halben Lärmpegel. Den Rest übertönt laute Musik aus dem Radiowecker. Um dreiviertelsechs.

Herr Meier am Fenster

Ich mag Katzen.
Auch wenn die dort jetzt Raubtier spielt und nach den Amseln giert, die todesmutig um sie herum­hüpfen. Obwohl -Todesmut ist Quatsch. Hunger haben sie. Mut und Hunger sind eh Geschwister. Oh Mann, wenn ich mir vorstelle, ich müßte jetzt in diesem halbgefrorenen Pückler­matsch rumhämmern.
Ich mag den Winter nicht.
Dauernd reden sie von globaler Erwärmung. Nun mal los! Hier auch bitte! Oder liegt meine Schlaf­metropole nicht auf dem Globus? Wenn nein warum nicht. Zustände...
Die Katze sitzt immer noch da.
Spielt Porzellanfigur. An der Grenze meiner mühsam mit Dioptrien zusammengehaltenen Sehschärfe erkenne ich aber ein gelegent­liches Wackeln der Ohren. Beneidenswert.
Mir genügt das nicht, um mich warmzuhalten, wenn ich an der Haltestelle stehe. Liegt vielleicht auch daran, daß ich nicht mit den Ohren wackeln kann. Hab ich mich nun erfolgreich vom Anima­lischen gelöst? Bin ich damit schon ein Mensch? Wahrscheinlich. Könnte mir Schildchen anheften mit "zu viel gelesen zu wenig kapiert korrekt chaotisch". Ginge bei der Katze nicht. Wär auch schad um die Katzenfelloptik. Hübsches Tier. Aber auch wenn eine Katze nicht hübsch ist, so ist sie’s nur wegen ungünstiger Umstände. Temporär gewissermaßen. Außen.
Ich mag Katzen.
Ist mir egal, ob Katzen eigentlich uns beherr­schen oder nicht. Sollen sich doch tausend Wissen­schaftler weltweit damit beschäftigen. Oder mit anderen irre wichtigen Dingen. Recht so. Man muß dankbar sein, daß nicht schon alle Eierköppe der Welt so schlimme Sachen basteln, daß wir bald alle hungern und frieren. Selbst Katzen. Obwohl - Radiowinter zum Beispiel klingt garnicht so schlimm. Aber ist halt Winter.
Wo ich doch den Winter nicht mag.
Katzen sind ja zähe Ludersch. Hab auch noch nie eine vor Kälte zittern sehen. Hunde ja schon. Besonders die kleinen spinnenartigen, deren Größe umgekehrt proportional zu der Breite Ihres Frauchens ist. Frauchen - das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Oder nee, lieber nicht. Soviel Sherry zum Nachspülen gibt's garnicht.
Ja, der Herr Weinbaum. Seine Hunde- und Katzeninsel - man müßte das mal wieder lesen. Andererseits - dieser tiefgekühlte Trübsinn da draußen macht faul. Und neidisch auf Katzen. Die dürfen eigentlich immer faul sein. Und sind im faul Daliegen noch attraktiv. Ehemännern werden in dem Fall von ihrer Guten Hälfte nicht solche Nettigkeiten gesagt. Nicht mal eine Anerkennung, daß er ja dann auch keine schädlichen Verän­derungen am status quo des Weltalls vornimmt - nichts dergleichen.
Ich mag Katzen.
Seltsam - diese ganz besondere Wirkung auf viele Menschen. Natürliche Anmut? Aber was ist das eigentlich? Und dann diese prima beruhigende Wirkung. Sonst regt unsereinen doch alles auf, was nicht so läuft, wie wir wollen. Eine Katze - beruhigt. Und so richtig lange übelnehmen kann man ihr auch nichts. Auch wenn sie gerade dann Achten um die Füße läuft, wenn man einen heißen Topf in der Hand hat. Stöckchen holt sie auch nicht. Muß sie auch nicht. Hauptsache, sie ist da, hin und wieder. Hat ja auch draußen zu tun. Wie jetzt gerade. Vielleicht will sie ja auch die Piepmätze beruhigen. Wo sie’s doch kann.
Mein Gott, bin ich müde.....

Des Ritters Lohn

Nun saßen sie da am Ufer des Sees, den Sonnen­untergang zu betrachten. Auf einer Bank, versteht sich, denn ein wenig kühl sollte es werden an diesem Abend. So hatte er denn auch fürsorglich seine Jacke drapiert über der Lehne. Und seinen Arm auf der Lehne, umfassend ihre Schultern, doch ohne sie zu berühren. So lange kannte man sich ja noch nicht, daß er sich mehr getraute. Und wohl tat er daran, denn ihre Gedanken waren freilich: "Wenn er es nur wagt, die Hand noch um eines Fingers Breite weiter zu schieben, so schlag ich ihm drauf mit Verve!".
So saßen sie denn in Betrachtung versunken eines Vorgangs, der schon Generationen entzückte und noch entzücken mag, bis man es uns dereinst abgewöhnt haben wird. Wohl eine halbe Stunde lang oder ein wenig mehr. Und stolz auf seine Ritterlichkeit und Beherrschung wuchs in ihm. In Ihr jedoch wuchs der Gedanke "Nein, daß er mich wirklich liebt, ist wohl nicht anzunehmen. Denn es überkommt ihn ja nicht!"

Ungeduld

"Oh mann, in diesem runden Gehäuse hier kriegt man ja wirklich mal 'nen Triesel. Wird Zeit, daß wir rauskommen."
"Da hast Du recht"."Wohl wahr"."Besser gestern als gleich". Zustimmendes Gemurmel ringsumher.
"Habt ihr schon Pläne gemacht für draußen?"
Solide Typen versuchten die Ungeduld in ruhiges Fahrwasser zu bringen:
"Na, ich denke jeder sollte wohl die Aufgabe kennen - schön gleichmäßig ausschwärmen und versuchen, das Nötige zu tun!".
Ein Stimmchen aus dem Hintergrund störte jedoch ein wenig:
"Ich werde seine Frau in der Nase kitzeln!"
"In der Nase! Ogottogott! Meinst Du wirklich, daß ihre Nase der richtige Ort für dich ist?" Diverse anzügliche und verächtliche Kommen­tare verschmolzen zu einem langgezogenen "Ööööö".
Der Übereifrige verschob sich mit langsamen Wellenbewegungen in den roten Bereich.
Einige etwas schwächer Gebaute wurden nachdenklich. Sie konnten sich schon jetzt denken, daß sie nach einigen Zickzack­bewegungen einfach verschluckt sein würden.
Eine kleine Gruppe sehr stark Aussehender schmiedete Pläne, Tips wurden ausgetauscht. Auf die Fragen Unentschlossener gab es nur vage Antworten wie:
"Wir werden versuchen, notfalls in Umwegen, das Richtige zu tun"
In die wieder aufkommende Unruhe hinein ertönten Rufe aus dem Inneren:
"He, Leute, es geht los. Hier hat sich drastisch die Spannung erhöht!"
Herr Mirbelhuber hatte endlich die defekte Sicherung ausgetauscht. Nun gab es kein Halten mehr! Die in der Glühlampe gefangenen Lichtstrahlen drängten blitzartig nach draußen.

Alles unter 5 Euro
( Monolog einer Weihnachtseinkäuferin )

Na, bitte. Bis jetzt lief doch alles prächtig. Immer in der vordersten Reihe gewesen. Jederzeit bereit für einen Ausfallschritt, wenn von hinten geschubst wurde. Gut soweit. Jetzt stehe ich jedenfalls hier vor der Glaskiste und muß mich konzentrieren.
Also... wo ist jetzt diese Schachtel mit den Lämpchen drauf. Beatrix hatte sie mir genau beschrieben. Sie hatte ja eine erwischt. Sonst wär es mit der Beschreibung Essig gewesen. Meine Freundin eben. Weiß genau, was sie gedacht hat. "Ätsch" und "Wühl mal schön" und andere Lieblichkeiten.
Verdammt, ich muß aufpassen. Da drüben hab ich eben zwischen dem anderen Zeugs eine gesehen. Wenn das jetzt die Letzte ist und wenn - ich glaub ich schreie. Ich muß da rüber. Ich muß da rüber! Wie krieg ich bloß die Dicke da weg. Scheint gottseidank was Anderes zu suchen.
Aber...kein Risiko. Ich werd mal diese Schrottschachtel hier...so...und jetzt die Hand drauf und verstohlen geguckt. Jetzt ein bisschen unter die Anderen drücken. Ha, jetzt hat sie's gesehen. Sie fängt schon an zu schieben. Hä hä, soll mal ruhig ein Loch reißen. Gut für mich. Ein Glückstag heute. Nein, bleib ruhig, Britta. Nicht leichtsinnig... Zack, das hat geklappt.
Die Spillrige hat sich natürlich dazwischen geschoben. Hatte ich fast erwartet. Die ist aber auch so dürre, daß sie von alleine brennt. Könnte die Dicke noch ein bisschen Fett dazu....
Aufpassen, Britta, aufpassen !
Na warte, Dürrbein, für Dich hab ich was! Hab mir nämlich einen neuen Trick ausgedacht. Gewissermaßen rechtzeitig zur Saison, hä hä. Ich brauch noch'n Kerl dazu. Werd kaum allzulange warten müssen. Wo 5 Euro dransteht, gucken die auch. Und wenns bei Unterwäsche ist. Oder bei.......
Na los, komm, Freundchen. Jawoll. Gut so. Ich liebe zielstrebige Männer!
So, jetzt...jetzt.
"Sie, schämen sie sich nicht, sie Flegel - Pfui!!!"
Stop, Britta, genug, das reicht. Bloß nicht überziehn jetzt. Der Geschäftsführer soll mal bleiben wo er ist und mit seiner Tippse weiter am Schreibtisch wackeln. Na, das hat doch prima geklappt. Das Streichholz guckt zwar wie angeschossen, aber sagen kann sie nix, in Klammern gar nix. Hab sie ja nicht geschubst. Aber vor solch Grabschern zuckt man halt ein Stück zurück, das werden sie doch verstehn, Teuerste?
Was für rote Ohren der Kerl jetzt...
Aufpassen Britta, aufpassen.
Genau noch einen halben Meter daneben. Gut, aber noch zu riskant. Ranreichen würd ich ja gerade so. Aber wenn mir die Schachtel aus den Fingern rutscht... Dann ist sie im Rampenlicht, gewissermaßen. Womöglich krallt sie dann einer von diesen Gierschlunden hier. Na ja, für die paar Zentimeter reicht der Einmal­halbumdrehtrick.
So, na siehste.
Mensch Britta, bleib ruhig jetzt. Hände abwischen nicht vergessen. Schnell. Halt, Tasche auf die andere Seite! So....schwupp. Ich kanns nicht glauben ! Ich hab sie !!! Schnell dahinten in die Ecke, Erleichterungs­tränen braucht keiner sehn. Nicht wie voriges Jahr, wo ich diesen hilfreichen Typen nicht mehr los wurde.
 
So, nun aber schön ruhig nach Hause. Günter ist dann noch nicht da. Kann ich sogar noch 'ne Kerze anmachen. Da guckt er wenigstens nicht so mit diesem scheidungsträchtigen Blick. Ist ja nicht da. Dann werd ich vorsichtig auspacken und das Dingelchen daneben stellen. Inzwischen wird der Tee kalauern. Und dann kommt der große Moment. Ein paarmal am Rädchen... und das Uhrwerk wird schnurren:
 
"In der schönen Weihnachtszeit
macht jedermann dem Andern Freud
und gibt von seinem großen Glück
dem Andern gerne ab ein Stück."

Der Backtag
Eine Begebenheit, die beinah arg ausgegangen wär

"HA!" rief der Bäcker, "eine SF-Story muß gebacken werden, gleich nun und auf der Stelle". Und ohn Verzug begab er sich in seine Storyküche, stürmischen Schrittes, geringschätzend das Flimmern verdrängter Luft, und band sich um geschwind das Schürzlein mit der Aufschrift: "THE GREATEST STORYMAKER".

Hatte gehört und sehr wohl behalten den Hinweis älterer Damen, daß ein Kuchen am besten gelänge, so man nicht wägt die Zutaten in akribischer Weise. Vielmehr sei es angeraten, zu greifen hierhin und dorthin, gefühlvoll, dennoch beherzt, in die reichlich vorhandenen Vorräte an leckerem Lesestoff, festgehalten in vielen Werken. Die freilich auch Vielen bekannt, was ihn jedoch in unbedeutendem Maße nur inkommodierte.

Griff sich also Brauchbares wie die "degenerierende Erde und aufstrebende Kolonien", ein "Schiffsgehirn" und noch so Etliches. Überwand auch mannhaft in Ansätzen vorhandene Besorgnis, zu greifen in den Behälter mit Kindern leiblicher Eltern, hübsch unbeliebt in den Tagen der Zukunft. Und freilich auch in den mit Herzögen, Prinzessinnen etc., fest daran glaubend, daß nicht alles, was von Anderen geliefert, gleich als solches erkennbar sei.

Hat es dann fein zusammengerührt und mit Hingabe, der Bäcker, darauf vertrauend, daß Zusammenhalt entsteht durch reichliche Verwendung von vorgefertigten, oft bewährten, somit wohl hinreichend sicher funktionierenden Satzteilen. War sicher, daß durch heftiges Rühren der Ursprung nicht mehr zu erkennen sei, mehr noch, daß eine gewisse Brillianz entstehen könnte, geeignet ihn herauszuheben aus der Masse.
Ist dann aber doch Verblüffung in sein Gesicht gekrochen, aufwärts, hohnsprechend den Gesetzen der Schwerkraft. Hat nämlich das Gefühl gehabt, das sichere, daß etwas fehlt. Das durchaus dazu führen könnte, daß Genießern des Werkchens Bemerkungen wie "Jaaaa, schooon, aaaber..." aus den Zahnlücken perlen könnten. Nicht eben rühmlich und nicht genug, auszutarieren das Gewicht des reichlich vergossenen Schweißes. Konnt es aber nicht gleich benennen, das Gefühl.

Hat sich derhalben, aufkommende Unruhe flugs unterdrückend, erst einmal vor das Ruhigstellungsgerät gesetzt. Ist dann aber ob der Anstrengung eingeschlafen, zusätzlich ermüdet durch eine Werbung für Hosenträger, bestehend zu neun Zehnteilen aus einem weiblichen Wesen, welches sich dümmlich blickend und brünftig stöhnend die Lippen leckt. Ist bei Kurzem wieder aufgewacht durch ein Klatschen, verursacht durch einen sicherlich unbedingt notwendigen Schlag, ausgeteilt an ein Wesen, welches sich in unverständlicher Weise für Süßwaren interessiert und damit selbstverständlich schlagenswert ist.

UND HAT ES PLÖTZLICH GEWUSST !!! "Will ich etwas unter die Leut bringen, darf ich doch heutigentags nicht vergessen Sex und Gewalt!" Hat also, erfüllt von Erleichterung, schnell von jedem eine Handvoll genommen und, aufkommenden Übermuts nicht achtend, rückwärts über die Schulter in den Trog geworfen. Und wo es aufkam, war es ihm eins und genehm so. Rief dann wieder "HA!", der Fleißige, triumphierend diesmal, und buk, was im Trog, zur Story. Hat freilich eine kleine Idee zerbacken, die des Hervorschmeckens wert gewesen wäre. Hat es aber in Kauf genommen, wollte doch gar so sehr dem Publikum gefallen.

Zeit

Angenehmes Schweben.
Und Zeit.

Selten, ganz selten eine Lagekorrektur.
Geringfügig. Nicht beeinträchtigend mein gewohntes Wohlfühlen.
Und Zeit.

Hin und wieder eine Ahnung von Unheil.
Veränderung. Unheil. Forderungen.
Störend mein ruhiges Dasein.
Und Zeit.

Merkwürdigerweise im farbenlosen Raum eine Farbe, hin und wieder. Immer die gleiche. Dann wieder ersehntes Dunkel.
Und Zeit.

Es ist mein Reich hier, meine Welt.
Ausreichend. Überschaubar.
Wenig Information. Gut so.
Gelegentlich ein wenig Denken.
Und Zeit.

Die Geräusche im normalen Bereich.
Ganz selten eine Rhythmusstörung, schnell wieder vorbei. Ich bin hier drin wahrscheinlich sicher.
Und Zeit.

Manchmal allerdings -
es scheint, als käme zunehmend Unruhe in meine Welt. Was geht da vor? Ich habe Angst vor lästigen Störungen.
Und Zeit.

Es ist mir gar nicht so recht, daß ich manchmal Informationen umsetzen kann in - Bilder? Ich sehe doch nicht! Aber da sind bedrohliche Bilder!
Und Zeit.

Das häufigste Bild : Eine Gestalt, am oberen Ende mit Gedanken umgeben. Häßlich und kahl dieses Oben, und es denkt an den bestimmten Tag.
Eine Woche.

Irgendwie spüre ich sehe ich - Scharfes.
Werde ich es fühlen? Wahrscheinlich nicht. Aber es wird mein angenehmes Schweben beenden.
Ein Tag.

Schade.
Ich hatte gehofft, daß ich auf ewig einfach nur dasein könnte. Zufrieden im Raum, der Raum zufrieden mit mir.
Jetzt ?

Ich will nicht ! Ich will nicht !!! Es brennt so ! Was ist das in mir ?
Ich will nicht hier sein !

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"Eh Alter, hier wa?
Waaaau, die Möpse!
Zeich ma, zeich ma eh!
Hier wa? Ooch nich schlecht eh.
Gaiöl !
Tier wa? Matte, eh!
Würdick ooch abknicken, die Simme.
Die?
Nee die nich. Muttertier, wa."
 
***
Ich bleibe stehen. Drehe den Kopf roboter­gleich in die Richtung dieser Informations­fragmente enthaltenden Geräusche. Da muß etwas in der Mitte der halbrunden Geräusch­quelle sein. Etwas wahnsinnig Interessantes. Aber nur für Männer, statistisch gesehen. Die da um ETWAS herum stehen, Rücken rund, Kitteltasche an Kitteltasche, sind Männer. Na gut, der Weg ist das Ziel.
 
Mädels sind nur zwei zu sehn. Merkwürdig. Stehn auch weiter weg. So uninteressiert, daß es knistert. Die sagen natürlich nichts in Wort und Bild, als jetzt der Etagenchef um die Ecke biegt. Das wäre ja auch wie auf einen anderen Kanal zappen!
 
Wie der Mensch das bloß macht? Der kann in die Hände klatschen, als ob an der Rolltreppe das Gummigeländer beidseitig abspringt. Höchst wirksam! Die Rundrücken werden zu etwas geraderen Vorderansichten von clerasilbedürftigen Azubis.
 
"Also, meine Herren, nachdem Sie nun Ihren Bildungsstand geringfügig auf Kosten des Hauses erhöhen konnten, bitte ich, kosten­dämpfende Maßnahmen in Form von heftiger Arbeit einzu­leiten. Ein jeder auf der ihm an­gewiesenen Etage, wohlgemerkt! Die Schilder mit den leicht- bis nicht bekleideten Damen nehmen Sie mit - an Ihr gewiß ursprünglich ins Auge gefaßtes Ziel. Also - die Bikinidamen und alle mit dem Finger im Mund hier an "Brot und Kuchen", die Nackten oben zu Hosen­trägern, Haushalt­waren etcetera und so weiter entsprechend Verteiler. Hurtig hurtig.
Wie bitte? Nein, für Lutscher und anderen Kindersüßkram sind natürlich die Totenköpfe und Monster dahinten. Was lernen Sie eigentlich an Ihren Schulungstagen? Umsatzsteigerndes Zuordnen jedenfalls nicht. Also los jetzt, ich erwäge sonst, mich zu ärgern!"
 
Ich selbst erwäge spontan, öfter hierher zu kommen. Kaufhäuser sind eben heutigentags Erlebniswelten. War doch hübsch, die Show­einlage. Und ich will unbedingt dabeisein, wenn nacktes Fleisch nicht mehr zieht, pardon, umsatzsteigernd wirkt. Denn was kommt danach? Das will ich sehen, als Erster möglichst.

Nachdurst

Oh mann, watn Krach da draußen! Ich will noch schlafen! Gottverdammich!
Na, nun ist es sowieso vorbei. Wenn man erstmal Wut hat, daß man nicht mehr schlafen kann, dann kann man vor Wut nicht mehr - ach so, ist ja klar. Also hoch.
Aua aua aaaah ! Mein Kopf! Ach ja, die Party gestern...
Jetzt sitz ich erstmal. Und schon einen Rasen­mäher im Schädel. Soll ich wirklich aufstehen? Aber ich hab Durst. Von was hab ich...ja richtig. Also muß ich wohl raus aus dem Bette.
Junge nee! Der Rasenmäher will fort mit mir. Aber nicht dahin wo ich will. Bloß festhalten. Gleich hier an der Klinke am besten. Und schön an die Tür gelehnt. Das sollte erstmal ein bissel Ruhe ins System bringen.
Aber daß hier 'ne Tür ist...schon irgendwie seltsam. Da ist das Fenster. Gut so. Bitte bleib da. Da ist..ei wei, bloß den Kopf nicht so schnell drehen. Also da ist noch 'ne Tür, offen gerade. Na ok, war, glaub ich, schon immer da. Oder? Jedenfalls ist hier jetzt noch 'ne Tür. Mein Gott was muß ich alles gesoffen haben. Kenne meine eigene Wohnung nicht mehr. Dreht sich aber auch alles. Und obwohl ich gerade stehe, steh ich schräg. Warum bloß? Schon irgendwie ulkig. Gehört aber wohl dazu. Muß vielleicht ein bissel abwarten.
Aber ich hab Durst! Ich muß in die Küche! Also los!
 
"Herr Primsen! Herr Primsen! Aufwachen! Genug geschlafen! Na sehnse, geht doch. Ich muß nämlich den Tropf abmachen. Und zuviel schlafen dürfense in ihrer Situation jetzt sowieso nicht.
Was, wie? Ach Situation - na Sie haben eine Platzwunde auf der Stirn, eine leichte Gehirn­erschütterung und ein bissel Blutverlust durch die vielen Schnittwunden. Einen Schreibberuf haben Sie doch nicht, nein? Is nur wegen dem Finger.
Was, wie? Ach Schnittwunden - na von dem Glaseinsatz in der Tür, mit der Sie umgefallen sind. Schon seltsam, Sie haben sie doch auch ausge­hoben, damit Ihre Partygäste besser und so. Daß Sie beim Einhängen damit umfallen, also wissense. Na sehnse, Sie könn ja schon wieder ein bissel grinsen. Sind'n Stehaufmännchentyp, wa?
Was, wie? Ach noch ne Tür. Nee, natürlich nicht. Könnse ganz beruhigt sein. Wird doch wohl'n Weilchen dauern, bisse Ihre Gehirn­erschütterung los sind. Plappern ein Zeugs, na wissense. Is aber alles völlig normal. Wir kriegen Sie schon wieder hin, Herr Primsen.

Farben kaufen

"Nee, Herr Wachtmeister. Hab ich nich. Und wieso soll die Malerei hier anders aussehn als die anderen Pinseleien? Sehnse mal, ich kann ja zum Beispiel noch nich mal erkenn, ob das Kind da mit dem knallroten Anorak ein Junge oder ein Mädchen ist".
 
Das Äquivalent zu einem Wachtmeister schaut in die Blickrichtung des älteren Herrn und wieder zurück. Dann öffnet er den Mund - und macht ihn wieder zu. Sieht aus, als wenn er die Frage wieder in sich hineingesaugt hat. Jedenfalls stellt er sie jetzt an die Frau neben dem Nichterkenner. Dann tritt er einen halben Schritt zurück, weil er herumfuchtelndes Gemüse nicht mag. Schon gar kein Porree.
 
"Sehnse Herr Wachtmeister, ich sag immer zu mein Mann, siehste sag ich, Du hast die besseren Augen von uns beiden. Also den Haushalt müssense da jetzt mal rausnehm. Aber da könn die Männer ja alle nich über ihren Schatten schlurfen. Nee, brauchense jetzt nich protestieren, is ja nich böse gemeint. Was? Achja, das Zeugs an der Hauswand. Sehnse, weil ich nämlich nich so gut kucken kann, wie mein Robert, das ist er hier, damit sie da jetzt nich was Falsches auf ihrn Zettel...achso das Zeugs. Ja sehnse, ich kann ja nich mal sehn, was das Kind da überhaupt anhat".
 
Der Wachtmeister Genannte dankt in vorbildlicher Beherrschung und schaut noch einmal zum roten Hydranten. Dann sucht er sich ein Befragungs­objekt, was nach besserer Sehkraft aussieht.
 
"Siehste Robertchen, was ich immer sage, wir brauchen keine Tarnung. Wir brauchen nur das rausfallen lassen, was die Leute von uns erwarten".
 
"Da haste wahr, Lottchen, hätt ich nich gedacht. Na denn komm, der Grünling hat uns ein Stücke Zeit gekostet. Und so viel Zeit haben wir jetzt auch nich zu verschenken. Auch wennse unseren Rentnerclub dicht­gemacht haben".
 
"Na ehmt. Wenn die Kinderchen sich 'ne Ersatz­beschäftigung auf der Straße suchen können, denn könn wir das auch. Jawoll, ab nach McVerschleuder. Silber, Orange und zweimal blau brauchen wir".

Versunken

Ein abschätzender Blick kommt zuerst. Und ein prüfender Griff. Zwei-dreimal vor- und zurück­schieben. Nicht mehr im Moment. Ein Küßchen aufs Werkzeug. Dann ein Blick, in dem liegt : "Jetzt wirds ernst. Und Du bist nun erstmal unwichtig". Und dennoch erfüllt mich dieser Blick mit großer Freude. Denn da ist Liebe, da ist Vertrauen - und ein großer Anteil Schalkhaftigkeit. So ist die Bedeutung doch eine ganz andere, als Worte sagen könnten.
Noch ein ganz sanftes Kratzen mit den Finger­nägeln von ganz unten bis hoch zur Spitze. Auch nur einmal. Schon sitzt sie auf mir. Genauso flink verschwindet das Werkzeug dahin, wo es hingehört.
Ganz sanft streicht sie mir jetzt mit beiden Händen vom Hals an über die Brust zum Bauch. Das ist wie ein Winken zum Abschied, ich empfinde es so. Ich werd es ihr aber nie sagen. Oder weiß sie das?
Es ist ja auch nur ein Abschied der Art, wie eben mal kurz aus der Tür gehen. So daß es überhaupt nicht schmerzt. Im Gegenteil. Ich weiß ja, wohin sie gleich geht. Und daß sie wiederkommt, glücklich.
Meine Hände lege ich nun leicht auf ihre Hüften. Mehr nicht. Das hat freilich ein paar mal gebraucht, bis ich wußte, ich muß sie jetzt aus meinen Männerhänden lassen, ganz und gar. Auch aus den sonst gern gespürten flinken Fingern.
Den Kopf hält sie ganz nach unten jetzt. Schaut in sich hinein, lauscht in sich hinein. Vermute ich. Wissen kann ichs nicht. Wer kann das schon wissen, wer muß das auch wissen.
Nun hebt sie sich langsam. So weit, daß ich schon fürchte...aber sie hat ihn unter Kontrolle. Selbstverständlich. Und wieder abwärts. Ein wenig schneller. Wenn sie so weitermachen würde! Aber Beherrschung ist angesagt, nur das ist jetzt wichtig.
Und jetzt geht ihr Kopf nach oben. Die herrlichsten Brüste der Welt laden meine Hände ein, aber mittlerweile hab ich die unter Kontrolle. Wenns auch schwer fällt. Nach einigem gleichmäßigen Auf und Ab weiß sie irgendwie, daß sie damit aufhören muß. Sonst...
Jetzt schon, anders als beim letzten Mal, bewegt sie sich seitwärts und vor und zurück. So daß ich fürchte, daß er mir aus der Wurzel gerissen wird. Hols der Teufel, heut will sie's aber wissen! Schön, aber schmerzhaft. Alles, was schon nach außen drängte, zieht sich zurück, restlos.
Dennoch - es ist gut so. Es braucht nämlich lange, bis sich da wieder Druck aufbaut. Und so wird nichts passieren, was sie jetzt stören würde, so erhebend schön es auch sei. Alles zu seiner Zeit, das wissen wir beide in vertrauensvoller Zweiheit.
Kurz senkt sie den Kopf. Doch nicht so weit. Ein Blick streift mich. Sieht sie mich überhaupt? Nicht so wichtig. Nach hinten biegt sie sich jetzt. Und senkt sich, drückt sich ganz herab, soweit, bis ich glaube, mein ganzer Körper ist in ihr. Aber ist er das nicht schon?
Nur kleine Bewegungen jetzt, aber Vieles be­wirkend in ihr. Lauter wird ihr Atem, klangvolle, kleine spitze Schreie mischen sich hinein. Ihr Körper, gebogen, angespannt, hebt sich nun wieder. Doch nicht so weit. Eine Handbreit oder zwei. Und ich weiß, sie sucht ihr Pünktchen. Kleine Bewegungen nur, auf und ab, ein wenig auch mal seitlich.
Und wiederum bei mir der Wunsch, wie wohl bei jedem Mann, einmal nur das Alles auch so spüren zu können. Einmal nur, damit man's weiß, wie es ist. Das würde genügen. Man ist ja Mann und hat das Seine zu tun.
Zurück aus solchen Gedanken holt sie mich mit Schreien, nicht laut und doch das Uni­versum füllend. Und mich mit Stolz. Das ist ja klar. Warum auch nicht?
Wo sie das nur herholt. Soviel Resonanzraum ist doch garnicht dort hinter ihren hoch auf­gerichteten, von süßen Gipfeln gekrönten Hügeln? Aber ist das wichtig jetzt? Wo ich wieder meine Not habe, mich nicht einzu­krallen in ihren runden, harten Hintern, nicht mit ihren Brüsten Dinge zu tun, die vielleicht schmerzen! So aber wird sie zumindest auf dem Oberschenkeln blaue Flecke haben. Und mir im Spaße später zeigen, daß ich ja doch verdammt weit vorgedrungen war, nach innen, wohin ich nicht sollte zu der Zeit.
Doch jetzt - gibt es schon Namen für die Bewe­gungen, die sie ausführt? Alles wird an Festigkeit abverlangt dem, der hoffentlich solid befestigt ist.
Und dann hebt sie ab.
So schön daß man weinen möchte vor Freude.
 
Schnell den Kopf zur Seite legen heißt es jetzt. Ich weiß doch, nachdem wir einmal fast zusammen­gestoßen wären: Sie will sich fallenlassen jetzt und ganz und gar. Und so tut sie denn. Oh, dieser wunderbare Körper, jetzt ist er wieder bei mir im Sinn des Wortes. Und ich genieße es und sie genießt es ebenso wie vorher die kleine Entfernung.
Ich streichle ihren Rücken, sie braucht das jetzt. Ganz langsam, vom Hals bis zu...ja und hier darf ich nun auch schon mal zwicken und hart anfassen. Aber schnell wieder nach oben, es ist noch zu streicheln. Nach angemessen langer Zeit drück ich sie dann heftig. Es tut ihr weh, aber das brauch ich nun.
Ich drück ja auch nicht lange und so richtet sie sich auf und sieht mich an. Oh, dieser Blick! Er ist alles, alles Wert an Beherrschung, die eine Weile notwendig war.
Und dann küßt sie mich wild und herzhaft und schmerzhaft. Das tut mir weh, meine Lippen sind da etwas zu empfindlich. Egal...
Danach hopst sie herunter von mir und läutet die Phase der Albernheit ein. Läutet? Ja läutet. Das macht doch allen Frauen Spaß, den da unten jetzt in dem Zustand zu   sehen - nein - vorzuführen. Na ja, ist schon in Ordnung, mein süßes Teufelsweib.

Zuwachs

Klar, Zunahme ist ein schönes Wort. Gehört zu den Positivworten. Heutzutage gibt es hochbezahlte Werbeleute, die Ihren Tag damit verbringen, unsere paar trotz Schulsystem und Medien übriggebliebenen Worte in Positiv- und Negativworte zu trennen. Richtig oder falsch einsortierte Worte können Geld erzeugen oder vernichten ! Das sollte jetzt allerdings nicht die Assoziation zum Mülltrennen wecken !
Obwohl, wenn ich einige Kommentare in verschiedenen Sohschel Netwörx lese...
Der Wert mancher dieser Texte besteht ja im Nachweis, daß man in 2  Zeilen 7 Fehler unterbringen kann.
Hat in den letzten Jahren stark zugenommen, diese Fähigkeit. Es scheint auch, daß die Fehleranzahl direkt proportional zur Anzahl der Pubertätspickel ist. Kriegt man mit der nächsten Rechtschreibreform aber sicher wieder hin. Man braucht ja nur die Fehler als richtig erklären und vice versa.
Eine vorbereitende Maßnahme dafür ist das Bestreben der Politik, das als zu hoch eingeschätzte Bildungsniveau an deutschen Schulen drastisch abzusenken. Naja, da kann wenigstens kein Nachwuchspolitiker wegen Überqualifizierung abgelehnt werden. Und das notwendige Schubsen und Beschimpfen kann er sich bei Fußballern abschaun.
Ach gottchen, bin vom Thema abgeschwoffen. Nun aber zurück zum Positivwort Zunahme und einem Beispiel, wie es durch die Kombination mit einem anderen Positivwort zu einem Negativwort werden kann.
Ich sage nur - Gewichtszunahme.
Es hilft unsereinem ja nix, wenn man es macht, wie die Post oder andere Dienstleister oder Firmen, die eine Preiserhöhung einfach in Preisanpassung umbenennen. Hallo, Post, ihr seid zu früh dran !!! Bis zur völligen Verblödung brauchen wir noch ein paar allerdings wenige Jahre!!
Es ist halt so , daß einem selbst eine fröhliche Namensänderung kein einziges Pfund schmelzen läßt. Ich sage natürlich auch schmelzen, weil es trendy ist. Somit ein Doppelpositivwort!
Man muß also selbst was dagegen tun. Dagegen ist in dem Fall ein Negativwort, was durch die Arbeitsperipherie zum Positivwort gewandelt wird. Wie zum Beispiel Brandsätze werfen. Wenns die Antifa macht, wird das als Aktion bezeichnet und ist positiv.
Achso ja - Zunahme und was selbst dagegen tun...
Zum Nachmittagskaffee schneide ich zum Beispiel eine Scheibe vom Kuchen ab, die so dünn ist, daß die Rosinen darin wie hübsche kleine rosa Butzenscheiben wirken. Da schaue ich dann durch und sage "Draußen scheint die Sonne". Das freut mein Gewissen. Oder um noch ein Trendwort zu gebrauchen - es werden Glückshormone ausgeschüttet. Ok da muß man jetzt nicht so mit der optischen Phantasie rangehn.
Jedenfalls kann ich wegen dem so beruhigten Gewissen mir noch eine Scheibe vom Kuchen abschneiden. Da schaue ich dann durch und nenne sie "Finstere Nacht bei Neumond". Ehrlichkeit ist nämlich auch ein wichtiger Faktor im Kampf gegen Gewichtszunahme! Deshalb mache ich mir das Wiegen auch nicht so einfach, wie oft in Bildern gezeigt. Da legt man sich auf den Rücken und die Waage auf die hochgereckten Füße. Nahein, ich lege auf die Waage noch ein 10 Kilogewicht drauf !!! Damit übe ich immer etwas psychologischen Druck auf mich aus.
Würde eine Frau nicht verstehen, diesen Mentalmechanismus. Deshalb lache ich mir ja auch keine mehr an. Da würde nur dieser gewisse Blick von schräg oben kommen, kombiniert mit einem gedehnten "Jaaa, jaaa". Dabei weiß doch jeder Mann - fett ist man erst, wenn man nicht mehr ohne Spiegel den ausgefahrenen aber ich bin jetzt zu faul, das genauer zu erklären.

Mein Tagebuch

Ich muß das nun einmal sagen: Ich bin erschüttert, wie lax heutigentags im Zeitalter der Biografien und Memoiren das Thema Tagebuch angegangen wird. Es muß doch bei Allem erstmal für ein Mindestmaß an Organi­sation gesorgt werden.

Das fängt schon mit der Größe an. Mein Tage­buch hat die Maße 32 x 48 cm. Es braucht dadurch nur 1200 Seiten stark sein. Selbstverständlich mit Harteinband und Lederüberzug. Viele Leute machen den Fehler und nehmen A5-formatige sogenannte "Poesiealben". Wundern sich dann aber beim 34., daß sie preislich keine Vorteile erwirt­schaften konnten.
Als Erstes habe ich dann auf vier Seiten ein sorgfältig formuliertes Teiltestament bezüglich der Verwendung nach meinem Ableben eingetragen.

Einige der Punkte sind z.B.
- Mindestjahresumsatz des Verlages, der sich um die Veröffentlichung bewirbt.
- Veröffentlichung nur, wenn neben der Volks­ausgabe eine limitierte Schmuckausgabe von 120 Stück erfolgt.
- von mir rot unterstrichene Passagen müssen von einem Lektor in Anwesenheit eines vereidigten Notars herausgenommen werden.
- Das Tagebuch darf nicht in Bahnhofsbuch­handlungen etc. angeboten werden.

Somit ist gesichert, daß dem Buch, will sagen, meinen durchgängig als hilfreiche Beispiele aufzufassenden Eintragungen die angemes­sene Aufmerksamkeit gewidmet wird. Ich kann das von hier oben nicht überwachen, bin aber sicher, daß das wie gedacht funktioniert. Auch wenn ich nur die ersten 52 Seiten nutzen konnte, sollte sich kein Verlag den Texten verschließen können. Schon weil ich natürlich auch 14 andere Verlage informiert habe. Der übliche Futterneid sollte das Nötige bewirken.

Nach widerrechtlichem Lesen der besagten 52 Seiten hat mir meine Frau das Buch zwar weinend, aber in heimtückischer Weise auf den Kopf geschlagen und anschließend in den Kamin geworfen. Ihre Absicht, die Veröffent­lichung zu unterbinden, wird selbst­redend trotzdem nicht aufgehen.
Das von mir ebenso sorgfältig geführte Parallel­exemplar wird nach der vereinbarten Frist von meiner Bank aus dem Schließfach genommen und in die Hände meines Freundes gelegt. Er ist über meinen Veröffent­lichungswunsch orientiert.

Durch den Wurf in den Kamin hat sich meine Frau letztlich nur selbst geschadet. Mir ist zwar jede Rachsucht fern, aber nach dem Prinzip Strafe muß gewährleistet sein, hatte ich nämlich sicher­heitshalber unter den Lederbezügen vorn und hinten sowie im Buchrücken einen Hunderterpack echte Zelluloidlineale verteilt. Nun ja, da meine Frau ohnehin wegen jeder Kleinigkeit zu ihrer Mutter gerannt ist, wird sie den Verlust der Wohnung wahrscheinlich leicht verschmerzen.

Ich kann mir hier oben nun in aller Ruhe ein kleines Vergnügen gestatten. Indem ich auf allen Schritten und Wegen meiner Frau außerhalb öffentlicher Gebäude eine kleine, aber ergiebige Regenwolke positioniere, halte ich die Erinnerung an ihre frevelhafte Tat in ihr wach. Daß ihre Lebenshal­tungskosten aufgrund permanenter Beschädigung der von ihr geliebten Dauerwellen ansteigen werden, ist ein Nebeneffekt, auf den ich keine Rücksicht nehmen kann. Ein wenig aufpassen muß ich, wenn mein Freund in ihrer Nähe weilt und sich etwas um sie kümmert. Meinem langjährigen, treuen Gefährten möchte ich keinen Harm zufügen.

Hinweise zur Anhebung
der Effizienz
bei der Berichterstattung über
die sogen. Kindermörder

Bisher war die Berichterstattung über Kinder­schänder und -mörder zwar einigermaßen ausreichend, aber mehr oder weniger vom Zufall abhängig. Bei straffer Planung und Organisation ist hier jedoch noch viel mehr an Effizienz zu erreichen. Zum Einen kann die Sicherung, ja sogar die Schaffung von Arbeitsplätzen im Medien­bereich verbessert werden. Zum Anderen kann eine Zunahme des Bevölkerungsteiles erreicht werden, der sagt: "Unter Adolf (Erich, Diktator XYZ etc.) wäre das nicht passiert". Die Betrachtung "Wem nützen die Skandale in unserem Skandalonien" führt zwangsläufig dazu, daß ebendiese Nutznießer aufgefordert sind, mehr in o.g. Planung und Organisation zu investieren. Hier sei insbesondere auf einige wichtige Punkte hingewiesen:

1)
Zuallererst sollte im Volk das Gefühl erzeugt werden, daß Begriffe wie z.B. Kindermörder in unserer fröhlichen Zeit etwas unzeitgemäß Belastendes haben. Das Beispiel Amerika sollte ins Bewußtsein gerückt werden, wo es in Todesfällen ja auch heißt: "Wir haben sie/ihn verloren". Kinderverlierer klingt doch gleich viel hübscher. Schließlich, was verloren wurde, kann ja wieder­gefunden werden. Irgendwo. Irgendwann. In irgendeinem Zustand.
Daß das jeweilige Kind bis zu dem jeweiligen etwas unangenehmen Zwischenfall in einer freiheitlich-demokratischen Ordnung leben konnte, sollte auch nicht aus dem Blickfeld geraten.

2)
Auch bei mehrfachen Fehleinschätzungen einer Ärzte- oder Expertenkommission, z.B. bezüglich eines gegebenen Sexualtäters dürfen Forderungen betreffs Gehaltsrück­erstattung oder gar Entlassung nicht gestellt werden. Was bei einem Arbeitnehmer als bewährte Maßnahme gilt, würde bei den o.g. Fachkräften sofort den Mut und die Freude an Entscheidungen lähmen.

3)
Letztgenannter Punkt dürfte auch den recht­zeitigen psychologischen Aufbau des jeweils nächsten Kinderverlierers erleichtern, so daß hier eine gewisse Regelmäßigkeit im Auftritt erreicht wird. Doch auch nicht einsitzenden Quereinsteigern sollte eine Chance gezeigt werden. Durch die Presse kann der Unent­schlossene auf Fernseh­auftritte, clevere Anwälte, lukrative Heimplätze u.ä. nach einer freilich einigermaßen medienwirksamen Tat hingewiesen werden.
Merke: Ein Kinderverlierer ist zwar etwas defekt im Hirn, kann aber lesen, auswerten und günstige Bedingungen für seine medien­unterstützenden Absichten erschnuppern.
Daß weltweit einige hundert Millionen Menschen mit schwerer Kindheit nicht auch immer zum Mörder o.ä. werden, liegt vermutlich daran, daß niemand ihnen ihre Möglichkeiten aufgezeigt bzw. geschaffen hat.

4)
Fernsehauftritte von Kinderverlierern sind ähnlich die von Stasigrößen sehr lehrreich.
Sie vermitteln auf anschauliche Weise die Erkenntnis: "Mach nichts halbherzig, sondern bringe Dich voll ein, dann hast Du Erfolg und Ruhm".
Schnell ist ein Kinderverlierer als gefährlicher Bösewicht dargestellt und verschrien. Dabei stehen doch den Medien alle Möglichkeiten offen, ihn als kurzweiliges Schlitzohr a la Dagobert darzustellen. Der Unter­haltungs­wert könnte dadurch immens gesteigert werden. Auch auf ein weiteres Buch mit Insiderwissen könnten wir uns dann freuen.

6)
Die Veröffentlichung quengelnder Hinweise, daß es in Skandalonien viele Opferhilfs­vereine gibt, wo doch angeblich alles für Gewaltopfer getan wird, können die allzeit sorgfältigen Recherchen der Presse stören und sollte deshalb auf Zeiten wie z.B. 2:45 Uhr nachts bzw. Seite 12 der 5. Beilage zurückgestellt werden. Demokratie ist damit zur Genüge bewiesen.

7)
Für den Fall, daß durch Übereifrigkeit oder Zufall die Verfolgungszeit unter 14 Tage zu gehen droht, sollte ein Tipgeber, eine Pseudo­geisel oder eine andere Hilfsmaß­nahme für den Kinderverlierer bereit sein. Selbst ein Telefonausfall könnte jederzeit wieder auftreten.

8)
Es muß hin und wieder ein Polizist davon überzeugt werden, daß er, wenn er einem Kinder- verlierer oder anderem Gewalttäter wehtut, von diesem mit Erfolg angezeigt werden kann. Vom Volk wird immer wieder vergessen, daß in ganz Skandalonien die Gleichheit vor dem Gesetz verwirklicht ist.
Die o.g. Anzeigen sollten dieses hin und wieder ins Gedächtnis zurückrufen.

9)
Gute Ergebnisse bei der nötigen Manipulation einfacher Gemüter würden evtl. erzielt, wenn rechtzeitig ein Staatsanwalt präpariert werden könnte, der wie ein Verteidiger des Kinder­verlierers argumentiert. Das gäbe der Sache den Eindruck der seriösen Unvoreingenom­menheit. Der Verteidiger muß ja schließlich sowieso verteidigen, der Staatsanwalt würde dies jedoch aus tief­innerlichem Gerechtig­keitsbedürfnis tun. Entschuldigungs­faktoren wie "schwere Kindheit" u.a. gewinnen so an Wert.
Womit sich über Punkt 3 der Kreis schließt. Unter Beachtung all dieser Punkte sollte die angestrebte Effizienz damit erreichbar sein.

Literaten

...nun schwebte aber da ein Planet im All. Sanft liebkost von den feinen Fäden der Zeit. Doch gab es Zeichen, daß nicht von Dauer sein würde der convenierende Zustand.
 
So kam der Tag, da die Fäden sich ballten zum Tornado. Und mit eins ward erfaßt der Planet und gewirbelt, daß Gott erbarm. Und mannigfaltiges anderes Material aus den Weiten des Alls und Losgerissenes von ihm selbst wirbelte herum desgleichen. Blieb also nicht aus, daß geschliffen wurde am Planeten, geraspelt gar mit diesen groben Stoffen. Allem voran mit kristallisiertem Atem des Publikums, lose gekittet durch gesunden Menschenverstand und gesicherten Erfah­rungen, was dem Menschen nützlich sei auf seinen Wegen.
 
Waren da aber Einige auf dem Planeten, dem arg geplagten, die nahmen nicht hin das Verhängnis, im Nämlichen ihren damit verbundenen Untergang. Erkannten, daß nur eines blieb : Zu bilden eine Kapsel, geschützt von einer Schale, dimanthart und doch lederzäh. Und sollte im Inneren ein System sein, das sich selbst erhielt durch ständiges Geben und Nehmen. Ermöglichend so Bewegung, doch ohne Reibung, Aktivität, doch ohne Verausgabung, Illumination, doch ohne Lichtabgabe. Kurz - das Perpetuum mobile. Hielten dieses dann am Leben durch schlichtes Leugnen seiner Unmöglichkeit.
 
Wird dann in einer Million und vierundsiebzig Tagen der Tornado der Zeit an Kraft verlieren.
Wird dann mit dessen letztem Hauch die Kapsel sich herniedersenken zur Oberfläche des Planeten.
Wird dann sich öffnen zur Welt die Kapsel und heraus werden treten die Klugen, die sich da nennen Literaten, Literaturexperten, Literaturkritiker und Sonstige, die es schafften, zur rechten Zeit ein "Litera..." voranzustellen ihrer Tätigkeit.

So ist es vorausbestimmt.


Doch nicht bis ins Letzte, was ja nicht möglich ist durch Unwägbarkeiten im Strom der Zeit. So könnte es auch sein, daß die Emsigen beschließen, auch fürderhin zu bleiben, wo es ihnen wohl zumute ist - in ihrer Kapsel, gleich einem warmen Neste mit allen Eigenschaften eines solchen.

Aufruf zur Rettung
einer bedrohten Menschenart

Es ist gut und richtig, daß uns vom Aussterben bedrohte Tierarten nahegebracht werden, auf daß sich Herz und Portemonaie öffnen mögen. Dabei geraten bedrohte Menschenarten jedoch leicht ins Abseits der Gedankenlosigkeit. Deshalb möchte ich Ihnen heute den "Stinknormalen, voll zurechnungs­fähigen Gewaltverbrecher (violentor vulgaris)" ans schon erwähnte Herz legen.
 
Wer die Medien aufmerksam verfolgt, wird feststellen, daß es den Obengenannten (im Weiteren als G.V. bezeichnet) kaum noch gibt. Schon in den ersten Sätzen einer Nachricht über ein Gewaltverbrechen wird darauf hin­gewiesen, daß der Täter geistig nicht auf der Höhe ist. Zumindest aber "verstört". Hier gibt es also für uns keinen Handlungsbedarf. Diese Täter sind oder werden noch gut versorgt. Im Vorfeld ihrer Tat bekommen sie Verhaltenstips in Form von Pressemitteilungen oder Fernseh­auftritten anderer bedauernswerter Täter, denen sie alles Brauchbare entnehmen können. Danach bekommen sie einen guten Anwalt, der das Weitere regelt, sowohl für den Täter als auch für sich selbst. Von den Opfern soll hier nicht die Rede sein, die sind hierzu­lande ja ohnehin bestens versorgt, wie man weiß.
 
So gehen wir denn Zeiten entgegen, wo es nur noch und ausschließlich den unzu­rechnungsfähigen, nicht bestrafbaren Täter gibt. Jedermann sollte aber inzwischen um die Schädlichkeit von Über­züchtungen wissen. Wir sehen es ja z.B. an derartigen Blumen. Diese sind freilich sehr hübsch anzusehen, jedoch überempfindlich in Handhabung und Pflege. Leicht kann also die Arbeit mit unseren G.V. ins Desaster umschlagen.
 
Was aber ist mit den Tätern, die aus irgend­einem Grund nicht in der Lage sind, die vielen gutge­meinten Hinweise auszuwerten und für sich nutzbar zu machen? Sollten wir da nicht endlich auch etwas Arbeit investieren, sie für uns zu erhalten? Ein Wachsfigurenkabinett oder die Tiefkühltruhe sind da ein nur unzu­reichender Ersatz. Schlimmer noch, einige sich auf dem geistigen Horizont einer knieenden Ameise befindenden Sozialwissen­schaftler reden sogar von Sterilisation. Der richtige Weg wäre jedoch die Ausbildung des G.V. in den einschlägigen, notfalls sogar mittelalterlichen Gewaltpraktiken sowie dazu passenden unverschnörkelten Verhaltens­weisen. Die mittlerweile fast ausschließliche Darstellung von Gewalt im Fernsehen kann die praktische Ausbildung nicht ersetzen. Wichtig ist also die Förderung eines passenden Umfeldes sowie die gute Versorgung des G.V.
 
Während es inzwischen ja sogar ein Wieder­besinnen auf die Schönheit wildwachsender Blümchen gibt, tun wir bei unseren G.V. zuwenig. Immerhin, in den mit leichter Hand am Fließband produzierten Actionfilmen werden die Bösewichte nicht mit Rasenharken belohnt, sondern irgendwie bestraft. Aber leider fehlt im Abspann dieser Filme der Hinweis, diesen Fakt mit ins Leben hinaus­zunehmen, was der G.V. dann gern tun wird. Eine verzeihliche Nachlässigkeit, die aber bei kommenden Filmen wohl korrigiert wird.
 
Wie sehr die o.g. G.V. zum Leben gehören, sollte uns auch das Liedgut eines Volkes zeigen. Das schöne Lied "Warte warte nur ein Weilchen, bald kommt Haarmann auch zu dir" hätte mit einem, sagen wir mal, bekloppten Täter nicht diesen Eingang in die Herzen finden können. Die Mög­lichkeit, daß wieder einmal ein solch wertvolles Stück Kulturgut entsteht, schwindet aber von Tag zu Tag.
 
Zusammenfassend möchte ich also noch ein­mal dringlich machen : Die Zeit zur Rettung des G.V. läuft uns schnell davon. Wir aber bleiben hier zurück am Tatort der Vernichtung des G.V. Das sollte uns doch zu denken geben.