Die Rose
Sommerabend
Ameisen
Limericks
Gutes Englisch
Transport
Ode an den Mond
Typisch Flocken
Der Tod

Die Rose

"Mein Mädchen, Du gleichst einer Rose!". Wohl tausend Gedichte fangen so an oder ähnlich. Freilich ist nichts einzuwenden dagegen. Aber da ist dann von Ach und Weh zu lesen ob der Stacheln, derer man sich aussetzt beim Nehmen der Blüte, die man begehrt. Und wie tapfer man doch sei, dennoch zuzugreifen, die Schmerzen ertragend, weil das Ziel ja tausendfach lohnend ist.
 
Weniger oft, aber immerhin ab und zu ist zu lesen, daß man gleichermaßen der Blüte weh tut, der Begehrten. Auch dann wird nicht allzu tiefschürfend betrachtet, was doch ein unwiderrufliches Ereignis ist. Wie üblich setzt man voraus, daß ja auch die Blüte stolz und erfreut sein könne, die Fähigkeit zu haben, in hohem Maße zum Wohlbefinden des Tapferen beizutragen. Und im Innern des Lesers entsteht ohnehin das Bild eines mehr oder weniger geschmackvollen Gefäßes mit Wasser, das der Blüte zusteht und von ihr aber auch mit Dankbarkeit angenommen werden müsse. Hinweg alle Gedanken an Vergänglichkeit.
 
Was aber, wenn die Rose gereift ist im Innern des Strauches? Halbmetertief womöglich? Und der Begehrliche intelligent genug wäre, seine Hand zu schützen mit einschlägigen, wirksamen Mitteln? Da steht er nun, der doch von unermeßlicher Sehnsucht erfüllt ist. Weiß er doch, daß gerade diese Blüte, gereift und voller Lebenskraft, ein unendliches Maß von Glück für ihn bedeuten würde. Weiß gleichermaßen, daß eine Rose nicht verletzt werden kann von ihren eigenen Stacheln, wohl aber von den hunderten und tausenden, die sie umgeben. An denen vorbei er sie nicht leiten kann, ohne daß es trotz größten Geschickes zu Beschädigungen ohne Zahl und Maß führen würde. Nicht an seiner Hand, wie schon erwähnt, doch an dem Objekt seiner Liebe, was er bei sich haben möchte, sein Herz zu erfreuen.
 
Wer kann ermessen den Zwiespalt, dem er ausgesetzt ist! Und ist wohl zu verstehen, daß er dem Schicksal flucht, das ihm Begehrenswertes zeigt und in gleichem Maße den Schaden erkennen läßt, den er anrichten könnte. Ist aber dennoch ein wenig unzerstörbaren Glückes dabei, etwas Wunderbares entdeckt zu haben.
 
Da steht er nun, der arme Narr, dem es das Herz zerreißt und fast auch den Verstand, dem zu Vernunft verpflichteten. Und wird wohl noch so stehenbleiben müssen eine Weile oder eine Unendlichkeit.

Sommerabend

Blankgefegt vom Wind der Autos sind die Straßen, wo nicht, ist zerfahren und zerbröckelt, was da lag - unkenntlich sein Ursprung. Doch hier am Ende einer stillen Seitenstraße - Staub. So locker, so fein, daß Insektenfüße sich eindrücken konnten zu cryptischen Mustern. Das, was wir uns wünschten im Winter und was uns jetzt schon langsam zuviel wurde - warmes, trockenes Wetter - hat ihn entstehen lassen. Und die Stille hier. Bäume, die die Zunge heraushängen lassen würden, wären sie Hunde, geben uns Schatten mit letzter Kraft. Der Herbst, der noch Sommer ist, kann hier reifen in Ruhe. Zu seinen Acessoires gehört der Staub und - erste Blätter, die darauf fallen.
Und diese Kombination ist es, die an die Oberfläche holt, was ich noch eine Weile in mir verschließen wollte - die Erkenntnis, der Sommer ist vorbei. Ich muß es akzeptieren: Der Sommer...ist...vorbei. Und nun auch der Tag. So fällt noch ein Strahl der tiefstehenden Sonne auf ein Blatt und gibt ihm ab von seiner Farbe Abendrot. Soll ich's nehmen als Trost für die zuende gehende Zeit?

Ameisen

Kommt ein Mann in den Blumenladen und sucht da so'n bissel hilflos herum. Dann sieht er ein Schild "Laßt Blumen sprechen". Also geht er weiter durch zum Tresen und fragt die Verkäuferin.
"Ja also äh ich möchte äh..."
Die Verkäuferin ist vom Typ 'so breit wie hoch' und hat den Blick einer Kettensäge mit Zahnschmerzen.
"Ja und?"
"Ja also äh die Blumen sollen meiner Freundin sagen, daß ich mit ihr in den Wald und so und spazierengehen..."
"Klar, und?"
"Und dann sollen sie noch sagen, daß ich mit ihr an einem ruhigen schönen Plätzchen..."
"Ja - weiter!"
"Und daß ich sie da küssen möchte..."
"Alles klar. Weiß wat se wollen... Kennt Ihre Freundin die Blumensprache?"
"Ja ja, das weiß ich genau"
"Ok, wartense..."
Dann kramt die Quadratische 'ne Weile in einem Blecheimer herum und gibt dem Mann einen grünlichen unansehnlichen Stengel.
"Äh...wie jetzt?...das soll..."
"Na klar. Gehmse das Ihrer Freundin, denn weiß sie Bescheid. Das Zeug vertreibt die Ameisen!"

Limericks

Ein bayrischer Bursche aus Jodelstein,
der stieg bei 'nem Madel ins Fenster ein.
Dann las er Gedichte
und Börsenberichte.
Jetzt heißt er im Dorf "das perverse Schwein".

Ein flippiger Typ aus Bad Doberan,
der hatte ganz plötzlich den Lyrikwahn.
Modern mußt es sein,
nur dann fand er's fein.
Er liest jetzt den Fahrplan der Deutschen Bahn.

Ein unaufgeklärtes Madel
das hatte mal Schmerzen im Wadel.
Da dachte sie an Adebar
und eine große Kinderschar,
doch war's ja zum Glück nur 'ne Nadel.

Es war mal ein Mädchen aus Frechen,
das mußt' seiner Mutter versprechen:
"Um elf Uhr zu hause!"
"Ich trinke nur Brause!"
Trotzdem tat's dann später erbrechen.

Das Mädchen sprach: "Nicht auf den Mund!
Ein solcher Kuß ist ungesund!"
Der Freund hats verwunden
und küßt weiter unten
Das Mädchen ist jetzt kugelrund.

"Im Neuen Jahr will ich" - sprach Meier
"mal fremdgehn mit Nachbarin Beyer".
Er hat's dann versucht,
doch sie hat geflucht
und trat ihm sofort in die Hüfte.

Ein Dichter mit Hirnfunktionspausen,
der hatte fürs Neue Jahr Flausen.
Sein Standbild sollt stehn
auf Everest-Höh'n.
Jetzt darf in der Anstalt er hausen.

Den Superstar traf 'ne Rakete
Silvester ins Ohr, weil es wehte.
Am anderen Ohr,
da kam sie hervor.
Und lustig ging weiter die Fete.

Ein gieriger Mann aus Benneckenstein
fraß Trüffel und Kaviar in sich rein.
Drauf hatte sich ein Wind verklemmt,
man zog ihm an das letzte Hemd
und legte ihn dann in Worchester ein.

Gutes Englisch

The man on the roof takes the chimney for huddle,
the ladder lies broken now down in a puddle.
But nobody rescued him, too strange was his language,
he really cried very loud, but in oxfordic english.

Transport

Dacca vor der Regenzeit. Das richtige für Frostbeulen wie ich. Endlich mal ausgiebig und mit Grund auf Hitze fluchen! Schön! Tagsüber hieß es Antennenmasten aufstellen, so heiß wie eine auf Stufe 3 vergessene Bratpfanne. Jetzt aber - Feierabend. Da sitz ich auf meinem Stühlchen und schau allem zu, was sich um mich herum bewegt. Ich - bewege mich nicht. Die Temperatur ist etwas gefallen, von 46 auf 44 Grad. Super!

Herr Minze kommt um die Ecke. Streicht einen halben Meter an meinem Sitz vorbei. Somit weiß ich jetzt, daß ich als verachtenswert kraftlose Person eingestuft wurde. Ja danke, Herr Minze, sehr liebenswürdig! Aber, nun ja, seine Einschätzung stimmt eigentlich. Trotzdem - ein Prachtkater das und kein Schmusetier. Nicht mal die duftfreie Pappnachbildung einer Hand würde an ihn herankommen.
Mein Blick folgt ihm ein paar Meter. Bis zu einem schwarzen Strich quer über dem Plattenweg. Waren sicher die Kinder. Ich drehe den Kopf wieder in eine energiesparende Richtung. Aber da war doch was! Ist das ärgerlich, ich muß den Kopf wieder zurückdrehen. Blöde Neugier!
Da bewegt sich was auf dem Strich. Langsam, aber gleichmäßig. Hat sich also der Trick mit dem Portemonaie am Bindfaden bis hierher eingeschlichen. Andererseits, ziemlich klein das Ding. Zu klein für 'nen Taschentresor. Aber bewegt sich, zum Teufel!
Ein Techniker hat interessiert zu sein in solchen Fällen, versuche ich mir einzureden. Nach ein paar Minuten habe ich Erfolg damit und erhebe mich. Für Stolz auf mich habe ich keine Kraft. Ich muß zu meinem Forschungsobjekt.

Allewetter! Die kleinen Biester! Man weiß es natürlich, sie sind kräftig. Aber sowas aus nächster Nähe sehn, ist was Anderes. Da schleppen tausende winzige schwarze Ameisen jede Menge Zeugs wohin auch immer. Und ca. dreißig davon transportieren eine Kakerlake. Von den Ameisen ist keine größer als drei Millimeter. Die Kakerlake ist ca. fünf Zentimeter groß. Nur der Körper, die Fühler bringen nochmal das Maß. Lecker!

Da hocke ich nun und schau mir das an. Warum eigentlich mache ich sowas nicht auch zuhause? Hach, was für herrliche Moralbetrachtungen könnte man jetzt daraus ableiten. Aber ich bin zu faul und gehe wieder zu meinem Stühlchen.

Ode an den Mond

Ach, guter Mond, ich danke Dir,
du machst das Leben mir so leicht!
Und in des Sarges Dunkelheit
zu Deiner Bahn mein Sehnen reicht.

Steig ich herauf aus düst'rem Raum,
des Abends, wenn Dein Licht mir scheint,
nehm ich ein Mädchen bei der Hand
und steh mit ihr im Blick vereint.

Bewundernd schaun wir beide dann
zu Dir empor, doch ich nur kurz.
Ihr Hals ist jetzt so schön gestreckt,
da ist mir Dein Gescheine schnurz.

Typisch Flocken

Hier draußen tuts schon wieder schnein,
das finde ich nun garnicht nicht fein!
Die heute mal zufälligerweise weiß eingefärbten Flocken fallen hernieder
und - das sag ich jetzt mal, damit es sich reimt- meiner Freundin ins Mieder.
Denn würde ich sagen, ins Hös-chen,
das wäre ja doch etwas bös-chen.

Der Tod

Gar dürre Finger hat der Tod,
ohn Irrtum entlang zu fahren in schmalen Spalten
der Listen, die seine Arbeit ihm weisen,
und froh sein sollten die Lebenden darob.
Denn irrt er sich einmal, des Wunderns ist groß
und größer noch Klagen, daß da einer zu früh gegangen,
wo doch Statistiker sagten, er wär noch nicht dran.
Da lächelt er fein, der Tod....