Dampftag in Alt Schwerin oder
"Wat is enne Dampfmaschin"

Nun, heutzutage muß man da nicht erst relativ zertretene Schuhe verstecken, um's zu erfahren. Man fährt einfach nach Alt-Schwerin zum Dampftag. Mit enne Dampfmaschin. Auf Rädern.

Angekommen auf dem Zentralbahnhof Alt-Schwerin, hat man sofort gewisse Geräusche im Ohr. Zischen, Klingeln, Undefinierbares. Nachdem man festgestellt hat, daß auch Andere das hören, kann man den Gedanken an Tinnitus wieder fallenlassen und drauflosgehn. Schon nach kurzer Zeit ist man da, "wo die Luft brennt". Oder auch andere Stoffe, die brennen müssen, um Dampf zu haben bis zum Abwinken. Dafür gibt es nicht nur Kohle am Ort, sondern auch Spiritus, Benzin oder andere geheimnisvolle Stoffe. Und die Dampfmaschinen rollen hier nicht auf Schienen, sondern auf Hartgummi oder Walzen. Oder garnicht. Weil sie irgendwo irgendwie angeschraubt sind und einfach so vor sich hintuckern. Einfach so? Nein, nicht für Leute, die mit dem Technikerherzen hinsehen.

Aber erst müssen wir noch die Lupe putzen und Maschinchen bewundern, die auf ein Stullenbrett passen oder gar in eine Kinderhand. Na gut, manche von denen heißen Stirling-Motor und sind garkeine "echten" Dampfmaschinen. Haben aber niedliche kleine hin- und herflitzende Kölbchen! Ach was, die passen gut hierher, find ich. Und wenn dann zum Beispiel ein so'n Maschinerchen seine Betriebswärme "drahtlos" über zwei Meter Entfernung mittels Hohlspiegel zugeführt bekommt - da wird man ganz still vor Begeisterung. Schon eine Spur größer und man hat, was man erwartet: Dampfmaschinen. Die passen immernoch in die Hand des Besitzers und haben dennoch alle wichtigen Details einer "Richtigen". Und bei den noch ein wenig größeren sind dann auch Dingelchen dran, die vielleicht nicht unbedingt für die Funktion nötig sind. Aber wie schön anzusehen! Wieviel Liebe und Zeit da drin steckt! Sicher gibts da auch häufig zu putzen, wo doch die Blicke vernachlässigter Ehefrauen bekanntermaßen auf Messing eine Oxydschicht erzeugen können. Es sei denn, man hat ein Goldstück, was mitbastelt. Solche sind hier vor Ort auch zu sehen. Muß ja mal gesagt werden.
Auf gehts, größer werden die Maschinen. Und funktionaler. Antriebe treiben an, was sich antreiben läßt. Zum Beispiel einen Mähdrescher. Oder einen Generator. Der dann wieder zum Beispiel ein Radio betreibt. Das ist dann - richtig - ein Dampfradio. Na bitte. Hat auch nicht jeder. Auch Dampforgeln nicht.
Wenn ich hier "zum Beispiel" sage, soll das heißen: Da sind jeweils noch mindestens 33 und drei genauso sehenswerte Sachen. Aber da muß man seine Gehwurzeln halt herbewegen nach Alt-Schwerin...

Ich geh mal zur nächsten Größenordnung. Auch noch stationär, aber schon mit ordentlich Power. Da machts einfach Spaß, danebenzu-stehn und "mitzuschwingen". Hier kann man auch schon mal das Wort Pferdestärken aus den Zahnlücken perlen lassen. So eine Maschine betriebssicher zusammenzubauen, daß sie einem nicht um die Ohren fliegt - alle Achtung!
 
Was hier im Text geht, ist natürlich in Wirklichkeit nicht möglich - zu ignorieren, daß man hin und wieder Dampfmaschinen auf Rädern begegnet, die nicht nur wegen der Optik dran sind. Die also munter in der Gegend herumfahren.
Also schaun wir mal...
Fangen wir am Besten auch wieder in Kniehöhe an. Wenn man nicht aufpaßt, kann einem hier schon mal eine Lok über den Zeh fahren. Da kann man sich dann hinterher im Bekanntenkreis bewundern lassen. Man muß halt nicht dazusagen, daß die Lok "nur" 40 cm groß war. Aber man muß unbedingt erzählen (denn das gehört sich so) wie detailgetreu sie gefertigt war, wie schön anzusehen. Und daß sie kräftig genug war, den Besitzer oder Frau oder/und Kind mitzutragen, abgesehen von angehängten Waggons.

Für den auch zu sehenden Dampf-PKW ist das freilich selbstverständlich. Gut im Schuß, etwas älter als das erste Fordauto und so leise, daß man eigentlich ein Käfigrad mit 100 Hamstern als Antrieb vermutet. Und kann "voll ausgefahren" 40 Kmh. Nicht zu fassen!

Wo man nun wirklich die Zehen wegnehmen sollte - Dampfwalzen huschen auch herum. Treue alte Arbeitspferde! An der Stelle sei übrigens angemerkt, daß hier auch überall im Gelände verteilt alte Landmaschinen und andere Geräte ausgestellt sind. Durchaus eine Abrundung der Veranstaltung.
Zuletzt die Schmäckerchen - die Mobile. Klar, ist ein bissel ungerecht. Aber sie machen halt optisch was her, besonders das "Rummelplatzmobile". Sowas fuhr dunnemals von Platz zu Platz und trieb an, was sich drehen oder schaukeln ließ oder was es noch so an Unterhaltung gab. Nebenbei wurde noch Strom erzeugt für bunte Lämpchen die Menge. Klar, daß das Teil selbst auch schnucklig aussehen mußte und leuchten und flimmern. Diesen Zustand zu erhalten bis in unsere Tage, sicher eine Wahnsinnsarbeit. Wenn der Ausdruck reicht.

Aber das ist es ja, warum man eigentlich herkommt: Ergebnisse von Wahnsinnsarbeit bewundern. Und wenn man geht, hat man ein Vielfaches vom Erwarteten gesehen, dazu Schönheit genossen und Fleiß gespürt. Was will man mehr.
Da muß natürlich auch erwähnt sein, daß alles gut, aber unauffällig organisiert abläuft. Auch eine Art von Kunst, find ich. Dazu das passende, angenehme Gelände - mit einer Mini-Eisenbahnlinie, die aber nicht die Hauptrolle spielte. Als Höhepunkt dann noch die "Dampfparade", wo im Defileè alles fuhr, was sich fahren ließ.
Fazit: In Alt-Schwerin muß man mal gewesen sein!